Berichte aus Idomeni 2016

14. Juni 2016, Zurück aus Idomeni (Bericht mit Kurzfilm)

Als könnte ich dein Lachen und deine glänzenden Augen vergessen. Könnte ich es, ich würde es trotzdem nicht machen . Doch ich kann es nicht. Der Glanz in deinen Augen steht für die Hoffnung, doch weiss ich nicht, woher du diese Hoffnung noch nimmst. Doch dein Lachen verrät mir, dass du noch nicht aufgegeben hast an das Leben zu glauben. Ich bewundere dich!!

In mir ist eine Leere, eine Trauer, eine Wut. Nicht, weil ich müde bin durch die Tage bei dir in Idomeni. Nein, weil ich müde bin zu sehen, dass Menschenrechte im Sauber Staat Europa nicht mehr existieren.
Idomeni war eine vergessene Welt und du als MENSCH warst mittendrin. Eine Schande, dass es diesen Ort überhaupt gab, eine Schande, dass du ein Teil davon warst.
Wir tragen die Schuld für euer Leid und lassen euch ausbluten, als hättet ihr kein Herz und keine Seele.

Immer wieder sitze ich mit dir, deinen Brüdern und Freunden im Camp zusammen und immer wieder erhasche ich eure leeren Blicke, gefolgt mit den hoffnungslosen Worten: „Why doesn’t Europe open the boarder, they don’t want to help us?“
„No, Zakarya the boarder will not go open and no, they don’t want to help you!“ und ich schäme mich……. wir nehmen uns in den Arm und beginnen zu weinen.
Ich kann dir keine Hoffnung geben, fühle mich hilflos. Kann dir keinen Glauben schenken, da es mir schwer fällt zu glauben . Und ich kann dir kein Versprechen für das Leben geben, weil ihr für die Meisten gar nicht am Leben seid.
Wir versuchen wieder zu lachen, „Everyday, just a smile!!“, so auch an meinem letzten Tag in Idomeni. So haben wir es immer gemacht, nach Trauer und Enttäuschung ein Lachen für die Hoffnung, für die Liebe und das Leben.

Idomeni ist Geschichte. Griechenland hat die Bulldozer vorgeschickt und Europa muss nun keine Storys mehr erfinden. Eltern mit ihren Kindern fliehen ein weiteres Mal. Wohin? Ungewiss! Familien werden getrennt, neue Freundschaften wieder zerrissen. Goodbye Idomeni, schon sehr bald wird kein Wort mehr darüber fallen, doch bei dir wird es wie ein Schleier über dem Herzen hängen, wie deine Zeit im Krieg und deine Reise übers Meer.
Ihr seid die Helden mit euren Geschichten und eurem Mut. Das Gefühl lässt mich nicht los, für euch da zu sein, mit euch Zeit zu verbringen, euch festzuhalten und euch ein Leben zu schenken.

Ein Teil von mir ist in die Schweiz zurückgekehrt. Ich funktioniere. Tage, da ich nicht mehr bin als eine Maschine. Doch immer wieder gibt es diese Auszeiten, an denen ich mich hinsetze, die Bilder durch mein Herz rauschen und ich beginne zu weinen. Es fällt mir schwer zu lachen und zu fühlen. Es fällt mir schwer nicht gelähmt zu sein, nicht wütend zu sein, nicht ein Gefühl der Ohnmacht zu spüren. Trotz alldem, ich werde nicht aufgeben, wie du es auch nicht machst!

Wo bist du jetzt? Hast du den Weg über die Grenze geschafft? Ein Weg mit Schleppern, welche dir das letzte Geldstück entnehmen. Oder bist du in einem der neuen Camps, welche keine Hygiene, kein Trinkwasser und zu wenig Essen vorweisen, welche durch das griechische Militär kontrolliert werden und nicht mehr hergeben, als ein altes Gefängnis – umringt mit Stacheldraht und ohne Zugang für Helfer und Besucher. Wohin führt deine Reise? Wann und wo wird dein Leben beginnen? Ein Leben in Würde und Frieden? Ich suche nach einer Antwort, doch weiss ich, dass die Antwort schon lange im Raum steht, doch akzeptieren kann ich sie nicht und ich will es auch nicht!

Ich komme zurück und werde dich finden. Wir werden gemeinsam lachen, eine Zigarette rauchen, ein Bier trinken und ich werde versuchen dir einen Moment zu schenken, einen Moment des Lebens…. „Everyday, just a smile!!“

Nach meinen Tagen in Idomeni im April/Mai bin ich immer noch schockiert. Über 50% der Geflüchteten sind Kinder! Kinder, die noch gar nicht realisieren, dass wir ihnen das Leben nehmen.
Bedenken wir, dass in den Camps zurzeit bis zu 40 Grad herrschen und alles, was diese Menschen erhalten, sind: 1 Tomate, 1 Orange, 1 Stück Brot und 0.75dl Wasser!!

Es fehlt es an Essen, Trinken, Kleider, Zelte, Hygieneartikel, Insektenspray, Schulen, Sportaktivitäten, Würde, Privatsphäre, Leben und und und….
Schon mit einer Spende ab CHF 5.- kann so viel erreicht werden. Helft mit und sendet ein Zeichen für Frauen, Männer und Kinder in Not. Ein Zeichen für das Leben.

Unter dem Namen „Everyday, just a smile!!“ werde ich im Juli zurück nach Griechenland kehren und versuchen den MENSCHEN in den Camps das Leben mit wenigen Mitteln zu erleichtern.
Für eure Solidarität und Unterstützung wären ich und die MENSCHEN vor Ort unglaublich dankbar.

 

13. Mai 2016, Dank an meine Freunde aus Idomeni

Seit einer Woche zurück aus Idomeni, zurück in der Schweiz und immer noch ohne Worte. Was habe ich 2 Wochen in Idomeni gemacht? Soviel und doch Nichts! Ich habe keine Heldentat vollbracht, weil die Helden sind diese Menschen! Jeden Tag kämpfen sie für ein Stück Leben!

Ich bedanke mich bei allen, die mich auf irgendeine Weise unterstützt haben. Danke an Barbara, Filu und Roman, die mich in Ihrer Wohnung aufgenommen haben. Vielen Dank an Lena und Willy vom Human Rights Projekt. Barbara Lena und Chandra für das Chai Tee Projekt. Danke allen Volunteers Wony, Linda, David, Alex und Mohamed. Ein Riesen Dankeschön geht an Cyril Roman, you are the greatest! Doch am Meisten danke ich den Helden und deren Begegnungen. Danke für euer Lachen, eure Herzlichkeit, Hoffnung, Mut und Wille. Ich werde euch nie vergessen und ich hoffe und glaube, dass wir uns in einer besseren Welt wieder sehen!
Don’t forget to smile, to hope, to believe! You all are wonderful guys with so many good different characters and such a wonderfull heart! Thanks so much for letting me know all of you! I know, we will see us in an other, better place! Never forget all of you!

 

03. Mai 2016, Camp Idomeni

Idomeni, ein Ort wird vergessen! Gestern strömenden Regen und die Leute standen trotzdem 2 Stunden in der Warteschlange für ein Stück Brot, eine Tomate, ein Ei und eine Orange. Seit 3 Monaten wohnen diese Menschen in einem kleinen Igluzelt, dass nun ihr zu hause ist. Maruf mit seiner Frau hat 3 kleine Kinder, eines davon hat oft über 40 Grad fieber und einen Augenkrankheit, welche das Sehvermögen beträchtlich einschränkt.

Soviele Tränen, so viel Leid und trotzdem haben so viele das Lachen nicht verloren! Bitte, denkt mal alle nur eine Minute darüber nach, ob dies wirklich unsere Welt sein soll, Danke!

 

26. April 2016, Camp Idomeni

Alle, die blind durch die Welt laufen. Menschen, die nicht bereit sind etwas herzugeben, nicht über die Grenzen hinaus schauen, lest weiter oder hört hier auf.

Es ist dunkel, bin mit 10’000 MENSCHEN in Idomeni vor einer verschlossenen Grenze. Erhalte tausende von Lachen, von Tränen und und und…Die Kinder springen mit offenen Armen auf mich zu, wollen umarmt werden und sind auf der Suche nach einem kleinen Stück Liebe. Hoffnung und Glaube sind stärker als an jedem anderen Ort. Doch wir zerstören alles! Lebst du auch mit deinem Herz?

Das hier ist kein Hilferuf, keine Bestimmung! Denkt nur einmal darüber nach, ob diese Menschen nicht auch Liebe, Glück und Hoffnung wollen. Jeder hat es verdient! Verdient einfach zu leben!